Das Gängeviertel in Hamburg von der Kreuzung Bäckerbreitergang und Valentinskamp aus gesehen.

 

Die Anfänge der Hamburger Gängeviertel reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Zu dieser Zeit wurden in weiten Teilen der Altstadt und der Neustadt besonders dicht bebaute Wohnquartiere errichtet.

 

Diese bestanden grösstenteils aus mehrfach aufgestockten, sehr eng aneinanderstehenden und baufälligen Fachwerkhäusern und Kellerwohnungen. Sie hatten eine immer noch mittelalterliche Wohnstruktur und wurden von einem Labyrinth aus schmalen, verwinkelten und lichtarmen Gassen und Hinterhöfen durchzogen.

 

Diese Altbauviertel wurden überwiegend von mittleren und ärmeren Bevölkerungsschichten wie kinderreichen Arbeiterfamilien, Tagelöhnern und Kleinhandwerkern bewohnt und boten Zuflucht für Kriminelle und Prostituierte. Hier lebten sehr viele Menschen auf engstem Raum und unter erbärmlichsten sozialen Bedingungen.

 

In diesen Wohnquartieren herrschten katastrophale hygienische Zustände.

 

In den darauffolgenden Jahrhunderten stieg die Einwohnerzahl der Hansestadt stark an. Das Bevölkerungswachstum erreichte mit dem Beginn der Industrialisierung und der Landflucht Mitte des 19. Jahrhunderts einen dramatischen Höhepunkt.

 

 

Der dadurch ausgelöste massenhafte Zuzug von verarmter ländlicher Bevölkerung und von Arbeiterfamilien in die ohnehin schon überfüllten Elendsviertel der Hansestadt führten dort zu einer Bevölkerungsexplosion und zu einer weiteren Verschlechterung der dortigen mangelhaften sanitären Bedingungen.

 

Im 19. Jahrhundert erreichten die Gängeviertel in Hamburg ihre grösste Ausdehnung und gehörten zu den grössten Slums in Europa. Zu dieser Zeit lebten hier zehntausende von Menschen in etwa 6500 Wohnungen.

 

Im Jahre 1892 brach in der Elbmetropole eine Choleraepidemie aus, der insgesamt 8.605 Menschen zum Opfer fielen. Die katastrophalen hygienischen Zustände und das mit Fäkalien verschmutze Trinkwasser in den Elendsvierteln begünstigten die Ausbreitung der Seuche.

 

Die verheerende Choleraepidemie veranlasste die Stadt Hamburg zu einer umfangreichen Sanierung der dicht bebauten Wohnquartiere in der Altstadt und der Neustadt.

 

So war bereits in den Jahren von 1883 bis 1888 das Gängeviertel auf dem Großen Grasbrook für die Errichtung der Speicherstadt abgerissen worden. Im Jahre 1893 wurde ein grosser Teil des Elendsviertels in der nördlichen Neustadt durch den Bau der Kaiser Wilhelm-Straße zerstört.

 

 

In den Jahren von 1903 bis 1914 wurde auch das Gängeviertel in der südlichen Neustadt abgerissen. In den Jahren von 1908 bis 1914 wurden die Elendsviertel in der nördlichen Altstadt durch den Bau der Mönckebergstrasse und der Spitalerstrasse zerstört. In den Jahren von 1921 bis 1930 fielen die Altbauviertel in der südlichen Altstadt der Errichtung des Kontorhausviertels zum Opfer.

 

Heutzutage ist nur noch ein kleiner Teil des Hamburger Gängeviertels erhalten. Dazu gehören u.a. der Gebäudekomplex zwischen Valentinskamp, Caffamacherreihe und Speckstraße und die Fachwerkhäuser im Bäckerbreitergang.

 

Im Jahre 2008 verkaufte die Stadt Hamburg den Gebäudekomplex zwischen Valentinskamp, Caffamacherreihe und Speckstraße an einen holländischen Investor.

 

Dieser wollte die zwölf Häuser abreissen und an deren Stelle ein modernes Wohn- und Geschäftsquartier aus Glas, Stahl und Beton errichten.

 

Am 22. August 2009 besetzen 200 Künstler die zwölf Häuser und verhinderten mit dieser Protestaktion erfolgreich das Bauvorhaben. Daraufhin kaufte die Stadt Hamburg die historischen Gebäude von dem niederländischen Investor zurück.

 

Update vom 06.09.2017

 

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Im August 2017 wurde das Gängeviertel 8 Jahre alt. Und das musste natürlich auch gebührend gefeiert und begossen werden.

 

Und wie schon in all den Jahren zuvor, so ließen es sich die Künstler, Aktivisten und Hausbesetzer auch 2017 nicht nehmen und ließen es wieder einmal so richtig krachen. Sie nutzten die Gelegenheit und begingen das Jubiläum standesgemäß mit einem mehrtägigen Kunst-, Kultur- und Musikfestival. Dabei präsentierte sich das alternative Kunst-, Kultur- und Sozialprojekt am Valentinskamp in der Neustadt der Öffentlichkeit so bunt, laut, schräg und politisch kompromisslos wie eh und je.

 

Die Künstler-, Aktivisten- und Hausbesetzer-Community lud anlässlich ihres 8-jährigen Bestehens zu einer Geburtstagsparty der etwas anderen Art ein, die in der Zeit von Donnerstag, den 24. August 2017 bis Sonntag, den 27. August 2017 in den besetzten und teilweise sanierten historischen Häuser am Valentinskamp, in der Speckstraße und in der Caffamacherreihe stattfand.

 

An insgesamt 4 Tagen wurde den Besuchern und Unterstützern hier ein Kunst-, Kultur- und Unterhaltungsprogramm geboten, das genau so schrill, abwechslungsreich und vielseitig war wie die Gängeviertel-Szene selber und das für jeden Geschmack, jedes Alter und jeden Geldbeutel genau das Richtige bot. Hier war wirklich für jeden etwas mit dabei.

 

Auf dem Programm standen eine Vielzahl an unterschiedlichen Aktionen und Events wie Lesungen, Kunstausstellungen, Konzerte, Partys, Informationsveranstaltungen, Vorträge und Diskussionsrunden zu aktuellen politischen Themen wie dem G20-Gipfel in Hamburg und der Bundestagswahl 2017.

 

Der Eintritt war frei. Die Einnahmen aus dem Getränkeverkauf gingen in die Vereinskasse und werden ausnahmslos wieder in den Unterhalt des alternativen Kunst-, Kultur- und Sozialprojekts investiert.

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