Das Mahnmal der St. Nikolai Kirche in Hamburg von der Holzbrücke in Richtung Deichtorhallen gesehen. Im Hintergrund ist die Willy-Brandt-Strasse zu erkennen.

 

Die Ruine der ehemaligen evangelisch-lutherischen Hauptkirche steht in der Willy-Brandt-Strasse 60 in der Neustadt.

 

Wie die weithin sichtbaren Silhouetten von St. Michaelis, St. Katharinen und des Rathauses, so ist auch der markante, hoch aufragende Turm von Sankt Nikolai aus der Skyline der Hansestadt nicht mehr wegzudenken.

 

Er beherrscht das Stadtbild am Rödingsmarkt wie kein anderes Gebäude in der näheren Umgebung.

 

Die Anfänge der Kathedrale gehen bis auf das späte 12. Jahrhundert zurück.

 

Nach der Gründung der Neustadt im Jahre 1189 schenkte Graf Adolf III von Schauenburg und Holstein (1160 – 1225) ihren Bürgern ein Grundstück nahe dem heutigen Hopfenmarkt für die Errichtung einer eigenen Kirche.

 

Im Jahre 1195 wurde hier mit dem Bau einer hölzernen Kapelle begonnen, die dem Heiligen Nikolaus (Nikolaus von Myra, 270 n. Chr. – 343 n. Chr.), dem Schutzpatron der Seefahrer und Reisenden, geweiht wurde.

 

Sie hatte eine Fläche von insgesamt 312 Quadratmetern und eine Kapazität von 300 Personen. Dieses Bauwerk war das zweite Gotteshaus in der Hansestadt nach dem Mariendom, der bereits im Jahre 831 gegründet worden war.

 

In den Jahren von 1240 bis 1250 erfolgte der Ausbau der Kapelle in eine Kirche. Dabei wurde sie um eine 22 Meter hohe, dreischiffige Backsteinhalle im frühgotischen Stil mit dreiteiligem Dach erweitert. Im Jahre 1353 erhielt sie einen Turm mit einer Höhe von 60 Metern. Nun bot sie ausreichend Platz für 1000 Personen.

 

 

Nach einem zweiten Ausbau in den Jahren von 1384 bis 1400 hatte die Kirche eine Kapazität von 1500 Personen. In den Jahren von 1400 und 1425 wurde sie um eine neue Apsis erweitert.

 

Im Jahre 1517 erneuerte der deutsche Architekt Hinrich Bartels den Kirchturm, der allerdings am 16. Juli 1589 nach einen Blitzeinschlag vollständig niederbrannte.

 

In den Jahren von 1591 bis 1593 wurde vom holländischen Baumeister Johann Andressen ein neuer Turm gebaut. Dieser stürzte jedoch im Jahre 1644 nach einem Unwetter ein.

 

Im Jahre 1657 erhielt die Kathedrale dann einen weiteren Turm. Dieser wurde nach den Plänen des deutschen Architekten Peter Marquardt im Stil des Barock errichtet und hatte eine Höhe von 122 Metern.

 

Damit hatte die St. Nikolai Kirche in Hamburg ihr vorerst endgültiges Erscheinungsbild erhalten. Ihre spätgotische, barocke Aussenfassade prägte bis zum Hamburger Brand im Jahre 1842 die Kulisse der Neustadt wie kaum ein anderes Bauwerk in der näheren Umgebung.

 

Mit der Wahl des Magdeburger Theologen Johannes Zegenhagen (? – 1531) zum ersten evangelisch-lutherischen Hauptpastor von Sankt Nikolai im Jahre 1527 wurde das Gotteshaus in eine protestantische Kirche umgewandelt. Die Hansestadt führte im Jahre 1529 die Reformation ein.

 

Der Turm wurde in den Jahren 1767 und 1801 durch Blitzeinschläge erneut schwer beschädigt.

 

Am 5. Mai 1842 wurde die Kathedrale durch den Hamburger Brand vollständig zerstört.

 

In den Jahren von 1843 bis 1844 wurde die Kirchenruine abgetragen. In den Jahren von 1846 bis 1863 wurde die Kathedrale nach den Entwürfen des englischen Architekten George Gilbert Scott (1811 – 1878) im neugotischen Stil wieder aufgebaut.

 

Als Baumaterial wurden Sandstein und Carrera-Marmor verwendet. Die hohen Baukosten wurden durch Spendengelder von Hamburger Bürgern finanziert.

 

 

Die Ausmasse des neuen Gotteshauses waren wahrhaft gigantisch. Es hatte eine Länge von 86 Metern und eine Höhe von 28 Metern. Das Bauwerk bestand aus einem dreischiffigen Langhaus, einem einschiffigen Querhaus und einem dreiapsidialen Chor.

 

Der Bau des Kirchturms wurde erst im Jahre 1874 abgeschlossen. Seine Architektur orientierte sich am Vorbild des Kölner Doms. Er hatte eine Höhe von 147,3 Metern.

 

Damit galt die Kathedrale bis zum Jahre 1877 als das höchste Bauwerk der Welt. Heutzutage ist das Mahnmal der St. Nikolai Kirche immer noch der fünfhöchste Kirchenbau der Welt und nach dem Heinricht-Hertz-Turm das zweithöchste Gebäude in Hamburg.

 

Als Innen- und Aussendekoration waren u.a. 64 prachtvolle Sandsteinskulpturen der Evangelisten, der Apostel und von christlichen Märtyrern geplant. Davon wurden allerdings nur 30 fertiggestellt.

 

Während des Zweiten Weltkrieges diente der weithin sichtbare, markante Turm den einfliegenden alliierten Bomberpiloten als Orientierungspunkt. Am 28. Juli 1943 wurde die Kathedrale durch einen alliierten Luftangriff im Rahmen der „Operation Gomorrha“ fast vollständig zerstört.

 

Nach Kriegsende entschied sich der Hamburger Senat gegen einen Wiederaufbau des Gotteshauses. Im Jahre 1951 wurden die Trümmer des zerstörten Kirchenschiffes abgetragen. Nur der Turm und der Chor, die weitestgehend intakt geblieben waren, wurden stehengelassen.

 

Die Hauptkirche Sankt Nikolai wurde von der Neustadt nach Harvestehude verlegt. Hier errichteten die beiden deutschen Architekten Gerhard Langmaack (1898 – 1986) und Dieter Langmaack (1926 – 2004) in den Jahren von 1960 bis 1962 am Harvestehuder Weg 118 das neue Kirchengebäude.

 

Im Jahre 1955 wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten zur Sicherung der Bausubstanz durchgeführt. Im Jahre 1960 wurde die Bauruine unter Denkmalschutz gestellt.

 

Im Jahre 1971 entschied sich der Hamburger Senat für die Umwandlung der Kirchenruine in ein Mahnmal. In den darauffolgenden Jahren wurde dieses Projekt allerdings nicht vorangetrieben, so daß die Bauruine weiterhin verfiel.

 

Ein im Jahre 1987 gegründeter Förderverein brachte wieder Bewegung in das Projekt. Er liess die historische Bausubstanz mit öffentlichen Spendengeldern sanieren.

 

Heute besteht das Mahnmal der St. Nikolai Kirche in Hamburg u.a. aus den Ruinen des Turms und des Chors und einem Dokumentationszentrum.

 

Im Jahre 2005 wurde ein gläserner Fahrstuhl im Inneren des Kirchturmes installiert, mit dem Besucher zu einer Aussichtsplattform in 76 Meter Höhe gelangen können. Hier kann eine Ausstellung über die Kriegsschäden in der Hansestadt nach dem Zweiten Weltkrieg besichtigt werden.

 

In der ehemaligen Krypta betreibt der Förderkreis ein Dokumentationszentrum. Hier ist auf einer Fläche von 300 Quadratmetern eine ständige Ausstellung über die alliierten Luftangriffe auf Hamburg im Zweiten Weltkrieg untergebracht. Über dem Eingang zur Krypta wurde im Jahre 1998 eine Glaspyramide errichtet.

 

Ausserdem wurde das Gelände des Mahnmals seit dem Jahre 1987 von bekannten internationalen Künstlern mit zahlreichen Denkmalen und Kunstwerken ausgestattet.

 

Dazu gehören u.a. die drei Meter hohe Bronzeplastik „Weiblicher Engel“ der deutschen Bildhauerin Barbara Haeger (1919 – 2004) aus dem Jahre 1962 und das 3,64 mal 2,55 Meter grosse Mosaik „Ecce Homo“ des österreichischer Malers, Grafikers und Schriftstellers Oskar Kokoschka (1886 – 1980) aus dem Jahre 1975.

 

Update vom 02.06.2017

 

Die St. Nikolai Kirche wurde in den Jahren von 2014 bis 2017 umfassend saniert.

 

Die marode Bausubstanz, der starke Verfall und der hohe Sanierungsbedarf des Mahnmals waren in den vergangenen Jahren durch mehrere Vorfälle immer offensichtlicher geworden. So war bereits am 12. Januar 2011 ein Ziegelstein aus der Ostfassade des Kirchturms vor den Eingang des Fahrstuhls gefallen. Im August 2011 war dann ein 15 Kilogramm schwerer Sandstein aus der Südfassade des Kirchturms auf den Fahrradweg der angrenzenden Willy-Brandt-Straße gestürzt.

 

Daraufhin wurden als Sicherheitsmaßnahme der Eingangsbereich des Kirchturms und der angrenzende Fahrstreifen der Willy-Brandt-Straße vorübergehend abgesperrt. Der Turm wurde für die anstehenden Restaurierungsarbeiten komplett eingerüstet.

 

Zunächst wurden die Kosten für die erforderliche Instandsetzung des Denkmals auf insgesamt 11 Millionen Euro geschätzt. Allerdings gab der Hamburger Senat am Dienstag, den 4. Juni 2013 bekannt, dass ein aktuelles Schadensgutachten einen weitaus höheren Restaurierungsbedarf ermittelt hätte, wodurch sich diese Kosten noch einmal um 3,2 Millionen Euro auf insgesamt 14,2 Millionen Euro erhöhten.

 

Diese Kosten wurden zu gleichen Teilen vom Bund und von der Stadt Hamburg getragen. Das Bundesministerium für Kultur und Medien bewilligte Fördermittel in Höhe von insgesamt 7 Millionen Euro, eine weitere Summe von insgesamt 7 Millionen Euro wurden dem Sanierungsfonds Hamburg 2020 entnommen. Bereits am Freitag, den 25. November 2011 waren als Sofortmaßnahme Fördermittel in Höhe von 700.000 Euro bereitgestellt worden.

 

Im Rahmen der 3-jährigen Bauarbeiten wurden an dem Kirchturm bis zu einer Höhe von 147 Metern umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Dazu gehörten u.a. das Setzen von 9000 Sandsteinen, der Austausch von 13.000 Ziegelsteinen und die Erneuerung von 35 Kilometer Fugen.

 

Weiterführende Links:

 

Adresse, Stadtplan Mahnmal St. Nikolai Kirche Hamburg

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